Einleitung
Als in den letzten Maitagen des Jahres 1864 die Zeitungen die Kunde von Charles Sealsfields Tode brachten, war es die »Augsburger Allgemeine«, die als eine der ersten »direkt aus Solothurn« berichtete, daß dort der »große Unbekannte« ins noch größere »Unbekannte« hinübergeschlummert sei. – In diesen kurzen Worten liegt Sealsfields ganzes tragisches Verhängnis. Unbekannt in seinem Aufgang, unbekannt in seinem Niedergang, blieb dieser rätselhafte Mann seinen Freunden bis zum letzten Augenblicke unenträtselt. Erst die Eröffnung seines Testamentes sollte die gewünschte Klarheit bringen. Diese Klarheit aber kam zu spät. Es ist fast, als habe sich das Beiwort »unbekannt« schier unauflöslich mit Sealsfields Namen verbunden. Wenige Dichter erleben einen heller strahlenden Erfolg als er, wenige ein so rasches Vergessenwerden. Der Sturm des Jahres 48 fegt seinen Ruhm hinweg als etwas, das nicht in die Zeit gehört. Der politischen Krisis folgt eine andere: sein Verleger versagt aus finanziellen Gründen. Bei Lebzeiten fast ein literarisch toter Mann, vermag Sealsfield auch durch die mit seinem Tode verknüpfte Entdeckung seiner Identität mit Karl Postl, dem verschollenen Ordenssekretär aus dem Kreuzherrenstift in Prag, das verlorene Interesse des Publikums nicht wieder zu gewinnen. Der »große Unbekannte« bleibt nun unbekannt, und heutigestags ist Sealsfield-Postl den meisten nur noch ein