Chapter

Braut und Gattin

In dem wild romantischen Thale, das Spaa mit seinen Heilquellen einschließt, stand noch im Jahre 1840, ungefähr eine halbe Stunde von dem Badeorte entfernt, eine kleine, der Jungfrau Maria gewidmete Capelle. Das armselige, aus Holz gebaute Kirchlein lehnte sich an eine schroffe Felswand, aus deren Spalten herab großblätteriges Schlingkraut hing, das verwitterte Dach wie mit einem Mantel bedeckend. Eine Treppe von vier Stufen führte zu dem verrosteten Eisengitter, durch dessen Stäbe man das mit Flittern und bunten Kleidern geschmückte Bild der Gebenedeieten auf einem kleinen Steinaltar erblicken konnte. Man legte dem Gnadenbilde mancherlei Wunderkräfte bei, und deshalb kamen nicht selten fromme Landleute, um durch inbrünstige Gebete Erlösung von irgend einem Uebel zu erflehen. Ein prachtvoller Juliabend hatte sich auf das Thal herabgesenkt, die scheidende Sonne vergoldete mit glühendem Scheine die felsigen Bergrücken, und die Hitze des Tages nach einer angenehmen, erquickenden Kühle, als eine höchst elegant gekleidete junge Dame die Stufen der Kapelle hinaufstieg, vor dem Gitter niederkniete, die mit zarten Handschuhen bekleideten Hände fromm zusammenlegte, und still zu beten begann. Zwei Minuten später erschien eine zweite Person, die vorübergehen wollte, aber plötzlich stehen blieb, als sie die knieende Dame erblickte. Diese Person war ein junger Mann in Jagdkleidern, ein

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