Erster Teil
»Wie sind Sie eigentlich zu Ihrem seltenen und seltsamen Namen gekommen, liebe Freundin?« fragte Camillo Witte, als er sich nach dem Weggange der übrigen Frühstücksgäste mit der Herrin des Hauses allein fand. Er hatte sich am Rauchtisch niedergelassen und griff nach einer Zigarre mit der Miene eines Mannes, der sich zu Hause fühlt. Offenbar war er noch nicht gesonnen aufzubrechen. Es war ein grauer Novembertag, windig und regenschwer, und es mochte Camillo Witte wohl verziehen werden, daß er sich der Behaglichkeit eines freundlich erwärmten Gemaches nicht gern entriß. Die adlige Wirtin zog die Gardinen zu, ließ einige Lampen aufflammen, und nahm dann ihren gewohnten Platz im hochlehnigen Renaissancestuhl ein. Vom dunklen Holze der geschnitzten Lehne löste sich klar umrissen das zarte Silbergrau breitwelligen Haares, die perlenhafte Blässe eines feingeschnittenen, etwas strengen Gesichtes. Die schöne und aufrechte alte Dame lächelte auf den viel jüngeren Mann, der lässig im tiefen, weichen Ledersessel hing, mit spöttischer Nachsicht herunter. »Der seltene und seltsame Name ist seit beinahe hundertzwanzig Jahren in unserer Familie erblich,« antwortete sie auf Camillos Frage; »er ist stets von der Mutter auf die erste Tochter übergegangen, und es wäre tragisch gewesen, hätte es irgendwann einmal keine Tochter gegeben, die ihn übernehmen konnte. Anderswo ersehnt man den Sohn, den