Erster Theil
Luther von Walbeck, erwählter Markgraf der Nordmark (Altmark), wurde im Jahre 998 von Kaiser Otto III. beordert, das größte Probestück eines unerschrockenen Heldenmuths und seiner, durch frühere Thaten ausgezeichneten Tapferkeit, abzulegen. Ehrenvoll erschien ihm der Auftrag, aber gefährlich und er stellte sich selbst die Prophezeiung, daß er nur dann gelingen werde, wenn ihn das Glück besonders begünstigte. Eilig zog er kriegerische Schaaren zusammen, so vieler er habhaft werden konnte. Godila, seine Gattin, sah ihm mit banger Ahnung und thränenvollem Blicke nach, indeß sein Sohn, Werner, sich kühn und thatenlustig mit seinem Streitroß tummelte, freudig, daß er dem Vater in die Feldschlacht folgen durfte. Mit einer furchtbaren Macht bedrohten die Wenden Brandenburg, sie wollten es erstürmen, um dort das Schauspiel der unmenschlichen Gräuelscenen zu wiederholen, die sie in Havelberg geübt hatten. Sie glühten vor Rache und Wuth gegen die Deutschen, die sie bei den Christenbekehrungen geplagt, gemartert, geplündert hatten, und sie ihrer Rechte und Freiheiten berauben und sie, wie Sclaven, unter die Füße treten wollten. Es war bei ihnen zum Wahlspruch geworden, daß alle Christen vertilgt werden müßten, wenn sie zu einem dauerhaften Frieden, zum ruhigen Besitz ihres Eigenthums, zur ungestörten Freiheit kommen und ihre Nationalehre behaupten wollten. Der Markgraf Luther überschaute