Der letzte Deutsche von Blatna
Erstes Kapitel Nicht weit hinter dem letzten Hause des böhmischen Städtchens Blatna, dort wo die Straße durch einen steilen Hohlweg nach der Eisenbahnstation Oberndorf führt, lag am Wolfsberge ein verlassener Steinbruch, den zwei Knaben und ein kleines Mädchen als ihren angestammten Besitz, als ihren Spielplatz und ihr Museum betrachteten. Die Höhe des Wolfsberges, eines flachen Hügels, hätte die Kinder mit manchen Reizen locken sollen. Da stand auf dem Plateau die Zuckerfabrik, die einzige Fabrik und der einzige hohe Schornstein der Gegend, da stand jenseits des Hohlwegs vor einer Wildnis von Granitblöcken und Fichtenbäumen die kleine stille weißgetünchte Marienkapelle, da erblickte man gegen Norden fern hinter stattlichen Klostertürmen die schwarzblauen Waldkuppen des Riesengebirges, da schaute man gegen Süden auf die langgezogene Stadt Blatna hinunter bis zum Flüßchen Bjelounka. Von all den Herrlichkeiten gefiel dem jungen Volke nichts so sehr wie der Steinbruch, um dessen Besitz die feindlichen Väter gestritten und in dessen Höhlungen die befreundeten Kinder sich schon versteckt hatten, bevor der Prozeß noch entschieden war. Anton Gegenbauer – nach Landessitte Gegenbauer-Anton genannt –, der etwa fünfzehnjährige Realschüler, war der Sohn des Mannes, dem jetzt der ganze Wolfsberg mitsamt der schönen Zuckerfabrik und dem wertlosen Steinbruch gehörte. Sein Altersgenosse Zaboj