Vorwort
Liebe Landsleute! Unser Böhmerwald ist ein wunderschönes, tiefgrünes Land voller Berge und Bäume und Bäche und gottesnaher Einsamkeit. Er birgt aber noch einen anderen unendlichen Reichtum, und das sind seine uralten Bräuche und frommen Legenden, seine übermütigen Schwänke und lieblichen Märchen und finsteren Sagen. Besonders die Sage ist es, die unklare Kunde außerwirklicher, wunderbarer Begebenheiten, die um Wald und Wasser und Moor, um Berg und Burg, um Gotteshaus und Bauernhütte, um vergangene Zeiten und Menschen tiefsinnig ihre dunkeln und goldnen Fäden spinnt und mit ihren seltsamen Geschöpfen heimlich unsere Heimat bevölkert und sie uns näher ans Herz bringt. Da lauert am Weiher der Wassermann im grünen Rock, da röhrt der Viehschelm und scheucht die Kühe und weissagt Brand, da klettern staubige Geister übers Mühlrad, der Bandelkrämer lockt mit bunten Bändern die Kinder in die Flut, die Melusine weint im Wind, der Teufel selber hinkt durch den Wald; und allerlei schreckhafte und launische Wesen treiben da ihren Spuck: das Nachtkrallei, das Haarstubenwaberl, die Augstalt, die Luzie, die Moosgeiß, der Hehmann, der Saurüsselmann, - wer kennt es völlig, dieses Volk der Gespensterlein und Ungetüme, der gutmütigen und übelgewillten, der schalkischen und furchtbaren, die seit altersher bei uns gehaust haben neben Raben und Bären und wohl noch da und dort hausen! Mit diesem