I. Kapitel: Bob und Gertie
Leichtfüßig wie eine junge Ziege sprang Bob die steinerne Freitreppe hinauf und drückte anhaltend auf den Glockentaster an dem großen, mit schönen Ornamenten geschmückten Haustor. Die wenigen Augenblicke, die er warten mußte, blickte er nach dem Haus auf der anderen Seite der Straße hinüber und beschattete mit der schmalen, schlanken Knabenhand die Augen, um besser zu sehen, schien aber doch nicht das erspähen zu können, was er suchte. Nun öffnete aber auch schon ein alter grauhaariger Diener, dem der weiße Backenbart einen ehrwürdigen und gravitätischen Ausdruck verlieh. Zärtlich und dabei doch gemessen steif begrüßte er den Knaben mit »Guten Tag, junger Herr!«, worauf ihm Bob vergnügt auf den Arm klopfte, mit »Grüß' Gott, Eduard!« erwiderte, den Schulranzen auf eine mit einem Teppich bedeckte Bank in der Diele warf und ungeduldig ausrief: »Wo ist Mama?« »Die gnädige Frau hat eben die Toilette beendet und liest im Wohnzimmer die Zeitung.« Mit vier Riesensätzen, immer drei Stufen auf einmal nehmend, stürmte Bob die Treppe empor, und schon war er in dem behaglichen, einfach eingerichteten Zimmer, in dem Frau Holgerman das Morgenblatt las. Bevor die schlanke, schöne Frau noch hatte aufstehen können, war Bob schon bei ihr und schlang einen Arm ungestüm um ihren Hals, während er in der freigebliebenen Hand ein Papier schwenkte. »Vorzugszeugnis, Mama, Vorzugszeugnis! Mit Ach und