Chapter

I

Berlin ... Nacht und Sturm. Ein neu einsetzender, lauwarmer Märzregen peitschte den aufgeweichten Boden des Lützowufers und strömte in schmalen Rinnen die Böschung des dunklen, melancholischen Kanals hinab. Von der Matthäikirche hallten elf lange Schläge; dazwischen, wie fernes Reitersignal, der herrisch ungeduldige Ruf eines vorwärts drängenden Autos. Sonst kein Laut, nur das stoßweise Heulen des Windes, das Rieseln des Regens. Aber von drüben, aus dem Herzen Berlins, keuchte es trotz der späten Stunde noch immer wie eine riesenhafte, unter Volldampf zitternde Maschine herüber. Endlos reihten sich dort über der hastenden Menge die weißglühenden Kugeln wie schimmernde Perlen im dunklen Haar eines Weibes, warfen unzählige Flammen ihre Lichtflut auf den naßblanken Asphalt; von den Dächern herab blinkten in ruhelos buntem Wechsel grelle, sich in die Augen bohrende Feuerräder auf, kreisten und erloschen wieder; und über allem der rotglühende Himmel, als habe Nero die Brandfackel in das verkommene Rom geschleudert, als würden Sodom und Gomorrha unter Jehovas Zorn in ihren Sünden erstickt. Am einsam träumenden Kanal eilte, den Kragen des Regenmantels hochgeschlagen, ein kleiner, schmächtiger junger Mann dem Lützowplatz zu. Plötzlich hörte er leichte, flinke Schritte hinter sich, die sich näherten, ihn erreichten. Auch jetzt hielt er in dem Unwetter die Augen auf den Boden geheftet,

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