Chapter

Blaugast

Die Straße, die Blaugast draußen empfing, als Sturmnacht ihn aus dem Bett scheuchte, als er das schwüle Zimmer verließ, um auf ziellosen Wanderungen den Kopf im Sommerregen zu kühlen, hatte sich plötzlich beruhigt. Der Ausbruch, der sie eine Zeitlang verwirrte, hatte wohliger Stille Platz gemacht. Über Neubauten am Ende kamen schon Sterne herauf, blinkten versöhnlich über Ziegelhaufen und aufeinandergetürmten Balken. Ein Mann mit aufgeschlagenem Rockkragen ging vor ihm her, drehte sich hüstelnd um, als ob er entschlossen wäre zu warten. Die Art, wie er hinkte, verdrossen den Fuß nachzog, ungeschickte Bogen um Pfützen machte, kam Blaugast bekannt vor. An der Ecke, wo er ihn überholte, sah er für Augenblicke sein Gesicht, wie es ausgedörrt und verkniffen im Schein der Laterne feixte. »Schobotzki!« rief er, und Erstaunen darüber, daß er den Genossen der Schulzeit nach einem Menschenalter im Finstern erkannte, färbte seine Stimme mit Freude. Schobotzki blieb stehn. Die langen Arme, die den flatternden Mantel rechtwinkelig gebogen über der Brust zusammenhielten, die scharfe Nase zwischen den Augen gaben ihm das Profil eines riesigen Raubvogels. Der Mund war groß, die Brauen buschig, die Stirn unterm Hutrand faltig verknotet. »Du bist es –«, sagte er endlich, entblößte beim Sprechen unförmige Vorderzähne. – »Septima B., drittes Bankeck beim Fenster. Klaudius Blaugast Schwachmathikus,

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