Der lateinische Reiter und die Preisaufgabe
Man findet doch gewöhnlich bei den Thieren, daß sich ihr Aeußeres nach der Nahrung richtet, die ihnen reichlich oder spärlich geboten wird. Gemüthsbewegungen hindern bei ihnen die Wirksamkeit des Hafers und der Gerste nicht. Sie werden fett, wenn man ihnen beim Dreschen nicht das Maul verbindet. Doch leidet diese Regel, wie jede, eine Ausnahme, nämlich bei geistlichem Vieh. Der Gaul, welcher dort so eben in das Kreishauptstädtchen hineintrabt und gerade auf den Marktplatz zu seine Richtung nimmt, gehört dem geistlichen Herrn, welcher auf ihm sitzt, ohne Zweifel eigenthümlich zu. An Stroh, Hafer und Heu, an Menschenliebe oder Erbarmen für alle Geschöpfe kann es im Stall eines Pfarrers wahrlich nicht fehlen; allein es muß auf den Zehntengaben ein Fluch liegen: sie gedeihen nicht, sie schlagen nicht an. Deßhalb verhandeln die Geistlichen lieber ihre Zehnten und kaufen sich nachher selber ein, was sie und ihr Gesinde und ihre Ställe bedürfen. Unser Manndaaber ist kein Oekonom, er thut’s nicht; sein Gaul und er selbst brennen vor Magerkeit. Der Reiter hält vor einem kleinen Laden inne, steigtabund producirt eine äußerst ausgedehnte Figur. Seine Haltung ist stolz und aufrecht. Seine Mienen verrathen eine gewisse Dürre seines Innern. Man kann ihn weit mehr mit abgesenktem, als frischem Grase vergleichen. Er thut, was er beim Absteigen und Festbinden seines Gaules an einen Baum, der