Erstes Kapitel
Am nächsten Morgen um zehn Uhr verließ Blanche das Haus, um Carola zu besuchen. Sie war bleich nach der letzten Nacht und schwärzlich unter den Augen. Nach einer Fahrt von einer halben Stunde stieg sie in einem anderen, unbelebten Viertel aus, in dem, von Gärten umgeben, neue Mietskasernen und Villen in schnurgeraden, schweigenden Straßen standen, und schritt durch die schon halb ländliche Gegend auf einem ungepflasterten, erdigen Gehsteig dahin, rechts die Gartengitter und Mauern, die, ineinander übergehend, eine einzige Linie bildeten, links, am Rand des Trottoirs, eine Reihe junger, nackter Ahornbäume, denen jenseits der breiten, leeren Fahrstraße eine ebensolche Reihe entsprach. Es fuhr nur selten ein Wagen, und nur wenige Menschen waren zu sehen – einige, die von der Elektrischen kamen, wie sie selbst, andere, die zur Haltestelle eilten, und hie und da ein Spaziergänger oder ein Kind. Blanche hatte einen geraden Weg von etwa vier Minuten vor sich, nur bis ans Ende der Straße, wo diese sich in freies Erdreich und noch unbenutzte Baugründe verlor, denn Ruge und seine Frau wohnten am vorläufigen Rand der Vorstadt. Der Gedanke an Carola war für Blanche im Laufe der Nacht von den vorüberwirbelnden Stunden allmählich verdrängt worden, am Morgen jedoch, als sie erwachte, stand, als erste, drohende Begrüßung des Tages, unerbittlich vor ihr das Bild der Kranken, der von Leid