Erstes Kapitel
Vor dem kleinen, alten, schmutzig-grauen Haus, das in einem Garten lag und in diesem inmitten eines Kreises von Bäumen, stand im Dämmer eines wolkigen März-Nachmittags eine etwa achtundzwanzigjährige Dame; neben ihr ein Mann, der um einige Jahre älter war. Sie trug einen langen braunen, gerade herabfallenden Mantel, dessen unterer Rand und dessen Ärmel mit Pelz abgesetzt waren, und an den Füßen hohe Überschuhe aus mattgrauem Leder. Über den Kopf hatte sie vom Nacken bis zur Stirn eine Mütze gezogen. Ihre Hand umspannte ein Bündel von Blumen, das sie eben an einer der Straßenecken gekauft haben mochte und das aus mehreren einzelnen Sträußen und Sträußchen bestand: aus Leberblumen, Veilchen, Märzbechern, Fräsien und Mimosen. Sie hieß Blanche und war die Tochter des Rechtsanwalts Riedinger; ihr Begleiter, ein Beamter der staatlichen Bibliothek, hieß Dr. Franz Friedrich Müller-Erfurt und war bucklig. Die beiden waren eben gekommen. »Das also ist Ihr Atelier?« fragte er. »Ja. Ist's nicht schön? Diese Ruhe! Hier ist man immer ungestört.« Augenblicklich neigte er den Kopf zur Seite, sah schief zu ihr, die viel größer war als er, hinauf und fragte mit den prätentiös-akzentuierten Silben eines Menschen, der den Ehrgeiz hat, aus seinen Antworten immer schlagfertige Pointen zu machen: »Ungestört – wobei?« Sie lachte auf. Allerdings klang es angesichts dieser so harmlosen Banalität ein