Abschnitt 1
Die Grenze zwischen den Dänengauen und den zum Frankenreich gehörigen Nordsachsen – nördlich der Elbe – bildete zu Anfang des neunten Jahrhunderts so ziemlich der von Osten nach Westen ziehende Lauf der Eider; wenigstens war die Mark nördlich der Eider ein bestrittener Boden; die Dänen behaupteten sich hier in gar manchen Strichen; erst allmählich gelang es, sie über die Schlei zurückzudrängen. Das Land weitum dort war damals noch meist von Urwald bedeckt oder von schilfigem Ursumpf. Selten waren die Rodungen; auf brauner Heide ragte dann der einsame Hof; viele Stunden hatte man zu gehen bis zu der nächsten Siedelung. An dem linken, dem südlichen Ufer der Eider erhob sich ein solches Gehöft da, wo eine Furt das sächsische, das Südufer erreichte. Nicht ein Stein war zu dem Bau verwendet: ganz aus rohen Stämmen war er gefügt; das mächtige, fast bis zur Erde herabreichende, teils graue, teils bräunlichgrüne Dach bestand aus tiefen Schichten von Schilf und von Moos; an der dem Fluß abgekehrten Stirnseite kreuzten sich die beiden obersten Schrägbalken: in zwei kunstlos geschnitzte Pferdeköpfe liefen sie aus. Das Wohnhaus und der daran gebaute Stall lagen wie versteckt hinter einer Gruppe von uralten, hochwipfligen Eichen. Umhegt und umfriedet waren das Haus und der etwa fünfzig Schritt im Geviert messende Anger von der fast manneshohen Hofwehre aus starkem Pfahlwerk. In den