Chapter

Erster Teil.

Im Juli des Jahres 1890 beendete Gavina Sulis ihre Schulstudien. Ihr Vater, ein ehemaliger Wegebauunternehmer und ein recht verständiger Mann, hatte sie die vierte Elementarklasse wiederholen lassen, weil es in der kleinen Stadt keine höhere Mädchenschule gab. Als sie nach der Prüfung nach Hause ging, überlegte sie bei sich, daß die Tage der Freiheit und Muße nun für sie zu Ende seien. Sie war beinahe vierzehn Jahre alt, hielt sich schon für erwachsen und gedachte der Worte ihres Beichtvaters: »Der Herr hat gesagt, die Frau soll das Haus hüten und Müßiggang und schlechte Gesellschaft meiden.« Nun, was die Gesellschaft betraf: Gavina mied nicht nur schlechten, sondern auch guten Umgang; sie ahmte darin ihrem Beichtiger nach, der immer allein, mit gesenktem Blick, dicht an den Mauern entlang einherging. Es war nahezu Mittag. Als Gavina das Ende der Straße erreicht hatte, wendete sie sich einen Augenblick zurück und blickte auf das alte Kloster, in dem die Schulen waren, und auf das melancholische, mit Oleastern und wilden Birnbäumen bestandene Tal, das sie so manchesmal von dem vergitterten Fenster ihrer Klasse aus betrachtet hatte. Addio! Vielleicht würden Jahre vergehen, bevor sie das Tal, die einsame Straße, die schwarzgraue Fassade der Schule wiedersah. Ihr Haus lag am anderen Ende des Städtchens, fast unterhalb des Berges, am Rande eines andern, nicht minder wilden, doch hin

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