Chapter

Der Schaper

Die guten Hirten von Bethlehem! Jawohl und: »Laßt uns jederzeit Arme Hirtenleut' Halten wert und hoch in Ehren.« So singt das fromme Lied – die Heidjer (Heidebauern) aber denken anders darüber: »Schäfer und Schinder Geschwisterkinder.« Wenn auch über die hundert Jahre ehrlich gesprochen – durch hochwohllöbliche Obrigkeit rehabilitiert und die Makula von ihnen genommen: der Heidjer weiß, was er von Schäfern, Müllern, Leinewebern, Nachtwächtern und Fillern (Schindern), Kuhlengräbern (Totengräbern), Musikanten und Kamöjemachern (Schauspielern) zu halten hat. So gut wie vor alters wird in der Mühle auch heute noch »gemoltert«, und Meister Adebar hat seine triftigen Gründe, niemals auf ihrem Dache zu nisten, er weiß, auch ihn würde der schlaue Müller beschummeln und um das Seine bringen. Und aus dem Schafstalle verschwindet auch heute noch manches neugeborene Lämmlein, vom Webstuhle manches Zöpfchen Garn, wer kann denn immer und überall dabei sein und aufpassen. Um Gottes willen, aber nur denken darf man, wie man denkt! Man ja den Mund halten, man ja sich mit ihnen stellen. Vornehmlich mit dem Schaper. Was ein richtiger Heideschaper, der ist erfahren in der geheimen schwarzen und weißen Magie. Der kann hexen und prophezeien. Und kurieren kann er. Wo der Schaper im Dorfe keinen Rat mehr weiß, pah, was will da so'n Medizindoktor? Ja und die Schaper, aufs Wettermachen verstehen sie

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