Chapter

Bilder aus den vier Wänden

Eine sogenannte ›Vernunftehe‹ hatten die beiden nicht geschlossen. Aber sie paßten ganz gut zusammen; ›er‹ war ein junger Beamter und ›sie‹ hatte auch nichts. Nur eine schöne Aussteuer, schön nach den Begriffen der jungen, anspruchslosen Frau, denn die Freundinnen rümpften ein wenig die Nasen, daß Geheimrats Jüngste ›nicht mal'n Büfett mitkriegte‹. Und nur drei Zimmer und Küche; und nichts, aber auch gar nichts ›stilvoll‹. Sie hatten ganz recht, die Freundinnen, sie sahen eben das ganze Nestchen mit ihren Augen an und sahen deshalb nicht das ›Glück‹, das aus jedem Winkelchen der hellen, freundlichen Wohnung lachte. Und wie hatte ›Muttchen Geheimrat‹ gesorgt und gerechnet, damit ihre kleine Lise eben diese drei Zimmer ›mitbekommen‹ konnte und eine gute Wäscheaussteuer dazu. Fünf Kinder als Beamtenwitwe durchzudringen, sie zu tüchtigen Menschen zu erziehen, ist nicht so leicht. – Aber nun waren sie alle versorgt, die Söhne in geachteten Lebensstellungen, die beiden älteren Töchter gut, ja reich verheiratet und das Lebensschifflein der Lise, der übermütigen Jüngsten, die so ganz ihrem Vater glich und ihren Kopf für sich hatte, war vor einigen Tagen aus dem stillen Hafen des Elternhauses in die Welt gesteuert. »Gott gebe seinen Segen! Jung ist sie noch sehr, noch nicht ganz neunzehn, – ach, wenn ›er‹ nur Geduld hat – – – –« Eine Hochzeitsreise wollten sie beide nicht, sie fuhren

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