Bewahrtes und Verheissendes
Das Reich ist nicht mehr. Wir haben uns lange Jahre aus ehrlichem Herzen zu ihm bekannt. Wir haben geglaubt, dass es die unerlaessliche Grundlage unseres aeusseren und inneren Lebens sei, und darum haben wir auch noch in jener bitteren Stunde ja zu ihm gesagt, als wir sahen, dass es vom fressenden Krebsschaden des Nationalsozialismus befallen war. Vielleicht weil wir glaubten, dass die gesunden Kraefte des Reiches ueber das Unheil Herr werden muessten, vielleicht weil uns schien, man muesse das Geliebte bis zum bitteren Ende lieben. Nun, die gesunden Kraefte waren nicht maechtig genug, und das bittere Ende, es ist da. Jetzt ist unendlich vieles fragwuerdig geworden, wovon wir nie gedacht haetten, dass es fragwuerdig werden koennte. Die Zugehoerigkeit zu einem deutschen National- und Machtstaat, die uns ganz natuerlich schien, weil wir in dem Gedanken daran aufgewachsen waren, erweist sich uns mehr und mehr als eine Faelschung unseres politischen Schicksals, das uns auf Grund unserer Herkunft, unserer Tradition und unserer wirtschaftlichen Situation eher auf eine freie Eingliederung in ein abendlaendisches Ganzes und auf eine Vermittlung zwischen Kulturen hinweist, von denen wir im Laufe unserer tausendjaehrigen Geschichte gleichermassen befruchtet wurden. Was sollen wir jetzt tun? Zwar ist unser Leben bis in seine letzten Kammern und Winkel hinein von aeusseren Sorgen erfuellt,