Chapter

Eines Vaters Liebe

Wo heute der Quaderbau der großen Nydeckbrücke zum gewaltigen Schwung über die Aare ansetzt, stand vor hundert Jahren, eingezwängt zwischen die Häuser an der Mattenenge, ein heimeliges altes Wohnhaus, in dessen tiefliegendem Erdgeschoß Christen Baumgartner seine Drechslerwerkstatt aufgeschlagen hatte. Des Meisters Werkzeuge hingen wohlgeordnet an den Wänden, soweit diese nicht mit den angelehnten Holzvorräten belegt waren. Der ganze Raum war mit dem angenehmen Duft geschnittenen Hartholzes erfüllt, und der grüne Abhang jenseits des Flusses warf das weiche Licht der Abendsonne in die Fenster der Butike zurück. Der freundliche Strahl fiel auch auf das derbe Gesicht des Meisters und ließ seine starr in die Ferne blickenden Augen erglänzen, während seine rauhe Hand ein in die Drehbank gespanntes Tischbein umfaßte. Baumgartner hatte, so schien es, nicht acht auf seine Arbeit. Er sah vielmehr aus, als hätte die gleichmäßige Bewegung der vor den Fenstern rastlos dahineilenden Wellen ihn in staunende Geistesabwesenheit versetzt. Er achtete auch des Geräusches um ihn her nicht, 6 weder des Surrens seiner Drehbank, noch des leisen Gurgelns des Wassers, noch des Klapperns der Wagen, die ab und zu hinter dem Hause über die rundlichen Pflastersteine der Gasse hinwegholperten. Wer ihn genau beobachtet hätte, würde aber doch bemerkt haben, daß sein Gesichtsausdruck sich hin und wieder

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