Alexanderplatz
Eva verbrachte drei Nächte auf dem Alexanderplatz, verborgen in einem Lieferwagen der Spurensicherung, der zwischen den Imbissbuden geparkt stand. Ihre Kolleginnen und Kollegen hielten sie für besessen — vielleicht war sie es auch. Der Fall hatte sich in ihren Kopf gefressen wie ein Wurm in einen Apfel, und sie konnte an nichts anderes mehr denken als an den Täter, der durch Berlin ging und Menschen in Kunst verwandelte und der, davon war Eva überzeugt, genau wusste, dass sie ihm auf der Spur war. Mehr noch: Er wollte es.
In der dritten Nacht, um kurz nach zwei Uhr morgens, sah sie ihn. Nicht als Person, sondern als Bewegung — ein Schatten, der sich über den Platz bewegte, zu geschmeidig und zu zielgerichtet für einen Passanten, zu langsam für jemanden, der sich beeilte. Eva griff nach ihrer Waffe, öffnete die Tür des Lieferwagens und trat in die kalte Berliner Nacht hinaus. Der Schatten blieb stehen. Für einen langen Moment standen sie sich gegenüber, dreißig Meter Kopfsteinpflaster zwischen ihnen, und Eva konnte nichts erkennen — keine Gesichtszüge, keine Kleidung, nur eine Silhouette vor dem schwachen Licht der Weltzeituhr.
Dann sprach der Schatten, und seine Stimme trug über den leeren Platz wie eine Theaterstimme über ein Auditorium: „Sie verstehen es, Kommissarin. Ich wusste, dass Sie es verstehen würden." Bevor Eva antworten konnte, bewegte sich die Gestalt, schnell