Die Waechterin
Der Mann nannte sich Aldric, und er behauptete, seit dem Dreißigjährigen Krieg hier unten zu leben. Das war entweder eine Lüge oder eine Wahrheit, die alles veränderte, was Maren über die Welt zu wissen glaubte. Er führte sie durch die unterirdische Stadt, durch Gänge, die unter dem Brandenburger Tor hindurchliefen, unter dem Reichstag, unter dem Schloss Charlottenburg, und an jeder Kreuzung standen Wächter wie er — Menschen, die irgendwann dort unten geblieben waren und aufgehört hatten zu altern.
Die Magie des Netzwerks war schwächer geworden, erklärte Aldric, als sie vor einer Wand standen, in die eine Karte Berlins eingraviert war. Risse durchzogen das Muster, dunkle Stellen, an denen die Energie erloschen war. Jeder Riss entsprach einem Ort oben, an dem die Stadt krank war — Gebäude, die zerfielen, Parks, in denen die Bäume starben, Viertel, in denen die Menschen einander nicht mehr in die Augen sahen.
Maren sah die Krone, die Aldric ihr hinhielt. Sie war aus demselben Bronze wie das Siegel, schlicht und schwer und sehr alt. Er sagte, sie könne gehen, zurück nach oben, zurück in ihr Studium und ihre kleine Wohnung in Neukölln, und alles vergessen. Oder sie könne bleiben und das Netzwerk reparieren, die neue Wächterin einer Stadt, die nicht wusste, dass sie beschützt wurde.
Maren dachte an den kaputten Aufzug in ihrem Mietshaus, an die Risse in den Wänden, an die