Unter Der Stadt
Der letzte Zug nach Spandau war vor einer Stunde abgefahren, aber Maren stand noch immer auf dem Bahnsteig der Geisterbahnhöfe, die es offiziell nicht mehr gab. Sie hatte den Zugang durch einen Lüftungsschacht gefunden, dessen Gitter seit Jahren von niemandem mehr kontrolliert wurde. Die Wände hier unten waren mit Graffiti bedeckt, Schichten über Schichten, aber unter der Farbe schimmerte etwas anderes — Linien, die zu alt und zu präzise waren, um von Menschenhand zu stammen.
Das Siegel war in den Boden eingelassen, ein Kreis aus Bronze, so groß wie ein Tisch, mit Symbolen verziert, die in keinem Buch standen, das Maren je gelesen hatte. Als sie es mit der Taschenlampe anleuchtete, begannen die Zeichen sich zu drehen, langsam zuerst, dann schneller, bis sie verschwammen und nur noch ein gleichmäßiges Leuchten übrig blieb.
Maren ging in die Knie und legte die Handfläche auf das kalte Metall. Unter ihren Fingern vibrierte die Bronze wie eine Stimmgabel, und für einen Moment konnte sie die ganze Stadt über sich spüren — jeden Straßenzug, jede Brücke, jeden Baum im Tiergarten, verbunden durch ein Netz aus Energie, das älter war als Berlin selbst. Dann öffnete sich der Boden, und Maren fiel.