Chapter

Kapitel 1

Der Ingenieur Emil Manuß schüttelte sich von den Achseln über den ganzen Rücken hinunter. Kein Düftchen vom Krankenzimmer da oben wollte er mitschleppen. Dann blickte er noch einmal von der Straße zum zweiten Fenster des Obergeschosses. Hinter seinen weißen, gefältelten Vorhängen, ganz ans Licht gerückt, lag sein Kollege Bert mit einem müden Gesicht und einer dumpfen Ergebung in den sonst so gescheiten und frohen Augen, wie für immer ins Bett vergraben. Seit Wochen lag er. Nichts tat ihm weh. Nur müd' war er. Seine Frau und die älteste Tochter Maria konnten es nicht begreifen, daß die paar Spuren Eiweiß, über die der Arzt täglich wie über eine beharrliche Bosheit des Kranken schimpfte, so furchtbar viel zu bedeuten hatten. »Steh' doch auf!« wollte auch der arbeitsfrohe, immer frische Emil fast zornig sagen. »Das Bett ist deine Krankheit, ganz allein das Bett.« Aber Bert lächelte nur schwach und schloß die Augen vor Müdigkeit. War er etwa nicht zehnmal vom Lager gesprungen? Einmal so grimmig, als müßte der schläfrige Zauber des Bettes vor der Überrumpelung ohne weiteres brechen. Darauf überlegt und voll Ruhe, wie man an eine sichere Sache geht, die nicht mißlingen kann, wenn nur alles sachte, sachte geschieht. Oder er tat es leis, mit verschmitzten Heimlichkeiten, versteckte die Strümpfe unter das Kissen, zog die Unterhosen an und schob sich wieder unter die Decke. – Ich will

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