Berberitzchen
Zitternde Pappelwipfel vor den Fenstern, vor den drei hohen Bogenfenstern des hallenden Gartensaals. Und eine gefangne Wespe, die zornig gegen die Scheiben stößt und dann wie rasend auffliegt zur Saaldecke mit den kleinen italienischen Landschaften: Italien, wie sich's irgendein romantischer Zimmermaler der dreißiger Jahre vorstellte, Tempel und Ruinen mit Pinien und Aloestauden unter indigoblauem Himmel, und geschwungne Brücken, über welche Eselchen getrieben werden – das alles eingerahmt von seltsamen, orangegelben Ornamenten: Delphine, die aus Vasen wachsen und deren Schweife sich in Girlanden verwandeln, an denen, wie Ex-Votos – tragische Masken baumeln. Und, von den hellgelb getünchten Wänden herabblickend, Gipsbüsten, sechs auf jeder Seite, fast der gesamte olympische Bundesrat: dort ein lächelnder Merkur mit flachem geflügeltem Hütchen, hier eine ernste, mildgestirnte Ceres. An der einen Längswand eine Laube aus schwarzem Korbgeflecht, von Efeu umsponnen, der zu beiden Seiten aus grünlackierten Kästen emporsprießt. Und in der Laube – ja, wie heißt es doch im Verschen von der Muhme Reelen: »In der Laube ist ein Tisch, und das ist ein 12 Wundertisch«? Nein, ein Tisch ist nicht drin, aber ein kleines, knisterndes Korbsofa mit altmodischen Rückenkissen belegt, Blumenkränze, Wappen, eine kleine Burgruine, in winzigen Perlen und verblichner Seide gestickt. Aber grad über dem