Vorrede
Daß der Beowulf, obwohl in angelsächsischer Sprache überliefert, doch seiner Grundlage nach ein deutsches Gedicht sei, ist schon von Andern ausgesprochen worden. Die beigegebenen Erläuterungen gehen überdieß noch auf den Nachweis aus, daß der Mythus ein deutscher ist, der noch vielfache Spuren bei uns hinterlaßen hat. Um so mehr lag es mir am Herzen, das Gedicht unserer Sprache wieder anzueignen. Wir besitzen zwar schon zwei höchst verdienstvolle Uebersetzungen desselben, und die jüngste von Grein (Dichtungen der Angelsachsen, 1. Bd., Göttingen, Georg H. Wigand 1857), der ich mich noch mehr als der Ettmüller'schen (Zürich 1840) verpflichtet bekenne, verdient in vollem Maße das Lob, das ihr wie dem ganzen Werke der berufenste Richter, Prof. Dietrich in Marburg gezollt hat. Gleichwohl schien mir eine dritte nicht überflüßig, die sich an ein größeres Publikum wendete, und ohne mit jenen in wörtlicher Uebertragung wetteifern zu wollen, mehr auf eine poetische Wiedergeburt des alten Gedichtes ausgienge. Geist und Stimmung einer fernen Heldenzeit anklingen zu laßen, und doch dem Ausdruck die frische Farbe des Lebens zu verleihen und der Rede die ungezwungene Bewegung, vor Allem aber den Wohllaut, der echter Poesie unzertrennlich verbunden ist, das schien mir die erste Bedingung, damit der Leser, ohne bei jedem dritten Worte einer Note zu bedürfen, den Sinn ahne und von der Schönheit