Erstes Kapitel. Das Dohlen-Nest.
Das Dohlen-Nest. An einem stürmischen Tage befanden sich viele Knaben auf der Wiese nächst einem Städtchen unfern Bremen, welche alle lebhaft beschäftigt waren, einen papiernen Drachen steigen zu lassen. Karl Daruff zeichnete sich besonders aus; er war der Besitzer des Drachen, den er triumphirend trug, während ihn seine Jugendgenossen eng umgaben, wie ein Fahnenträger eingeschlossen ist, wenn es in's Feld geht. Das Bild des Drachen, welches mit hellen Farben von Karl auf dem Papiere entworfen war, bot den Vorübergehenden vielen Stoff zum Lachen und zu allerlei schnurrigen Bemerkungen; denn fürwahr, es machte der Phantasie des Künstlers Ehre, welcher ein Wesen erschuf, das dem Kopfe nach einem grimmigen Löwen, dem Laufe nach einem Krokodille und dem Ringelschwanze nach vollkommen einem Delphine glich. Die Tauben auf dem Felde flüchteten sich schon von Ferne und eilten dem Schlage zu, so bald sie des Bildes gewahr wurden und ein Fuhrmann, der des Weges kam, hatte den Aufwand aller seiner Kräfte nothwendig, um die ob dem schauerlichen Anblicke scheu gewordenen Stiere an sich zu halten. Karl suchte nun auf der Wiese eine etwas erhabene Stelle aus, die Schnur wurde so weit es nothwendig, aufgerollt, und als sich jetzt wieder der Wind stärker erhob gab er dem Drachen einen leichten Stoß nach oben, dieser schwebte allmählig empor und auf einmal stand er majestätisch oberhalb dem