Vorwort
Es gibt Künstler, deren Wesen und Bedeutung durch eine einzige erschöpfende Biographie für alle Zeiten erkannt und festgelegt zu sein scheint. Das Bild, das Otto Jahn uns von Mozarts Leben und Schaffen gegeben hat, wird unbeschadet einzelner, durch neuere Forschungsergebnisse bedingter Korrekturen stets seine Gültigkeit behalten. Nicht nur weil hier ein Schriftsteller am Werk war, der alle Vorzüge des wissenschaftlich strengen Historikers und feinfühligen Ästheten in sich vereinigte, sondern auch weil die lichtvoll klare, eindeutige Persönlichkeit Mozarts eine solche für absehbare Zeit erschöpfende biographisch kritische Würdigung zuließ. Beethoven ist mehrdeutig. Er reizt jede heranwachsende Generation zu neuer Stellungnahme, neuen Fragen. Es war daher eine durch das Thema gebotene weise Selbsteinschränkung Alexander Wheelock Thayers, als er in seiner Lebensgeschichte Beethovens jede kritisch ästhetische Betrachtung vermied und sich auf die schmucklose historische Berichterstattung beschränkte. Damit sicherte er seinem Werk eine alle Geschmackswandlungen überdauernde Geltung und überließ es den einzelnen Zeitaltern, seiner objektiven Schilderung die subjektive Wertung hinzuzufügen. Die gleiche, im besten Sinn des Wortes unpersönliche Sachlichkeit zeichnet Gustav Nottebohms Skizzenforschungen aus. Sie sind das Gegenstück zu Thayers Werk und geben ähnlich wertvolle Aufschlüsse