Bedingt begnadigt
Er hatte sich vom Schreibtisch erhoben, denn es war so dunkel geworden, daß er nicht mehr schreiben konnte. Er hatte sich erhoben, um Licht anzuzünden, der Garten aber hatte seinen Blick auf sich gezogen, und er ließ sich auf den alten hochlehnigen Sessel am Fenster niederfallen. Er hatte angefangen, die Erinnerungen seines Lebens, die Geschichte seiner Gedanken zu schreiben, damit die Tage schneller vergehen sollten. Jeder Morgen fragte ihn mit seinem leeren, grauen Blick: Hast du mir nichts zu gelben? Soll ich wie mein Bruder Gestern hinwelken? Darum hatte er sich niedergesetzt, um zu bezeugen, was er den Tagen in früheren Zeiten gegeben hatte, als sie noch von seinen Siegen gefärbt worden waren. Die Tage, die jetzt verrinnen, sind bleich, als ob sie alle November hießen, nichts kann er ihnen geben, als die Erinnerungen an ihre dahingegangenen Brüder. Einer nach dem anderen fällt zur Erde, welkt wie die Blätter der alten Akazie draußen, die ihre Neste von dem letzten Tagesschein des Himmels abhebt. Es ist kalt im Zimmer. Als er sich erhob, hatte sein Blick die matte Glut hinter dem Ofenrost gestreift: doch während er dasaß und in das hineinstarrte, was aus dem Nebel auftauchte, hatte er den Ofen wieder vergessen. Hände streckten sich nach den seinen. Lächeln, wie Gold aus einem dunklen Chorbogen, schimmert ihm entgegen. Ein Pfad, den er einst so gern wanderte, liegt vor ihm