Die Törin
Der Riese Türsch hauste einsam in einer Mooskluft, und die lag so abgeschieden in der Wildnis, dass dort nicht einmal ein Vogel nisten wollte und Sonne und Mond in der verstrüppten Gegend ihren Schein verloren. Vorzeiten war der Türsch nicht gar so mutterallein. Da lebte noch, von ihm getrennt durch verworrene Wälder und unwegsame Bergzüge, ein zweites Geschöpf seines ungetümen Schlages, und dem warf er alle sieben Jahre über das Gebirg hinweg seinen gläsernen Ring zu, und wieder nach sieben Jahren, nachdem das Kleinod genüglich bestaunt worden war, flog es in die läppischen Hände des Riesen heim. Die Leute vor dem Wald sahen oft das Glas hoch über den Himmel funkeln und verschillern und sinken in die Einöde. Doch einmal kehrte es nimmer zurück, und da hörte man den mächtigen Mann weithin heulen: »Runsa! Runsa!« Aber die Riesin meldete sich nimmer. Und so scholl oft, wenn der Mond nachts den Bergen am Nacken saß, die raue Klage: »Runsa! Runsa!« Hernach blieb er lange verschollen und still, und die Bauern meinten, er habe den Schlaf, des er im Winter wie ein Bär mondenlang pflog, nun auch mit dem Tod vertauscht, und so wuchs denen vor dem Wald das Herz: sie wagten sich näher an die Wildnis heran, die sie des launischen und gewalttätigen Riesen wegen gescheut hatten. Sie bauten auch eine weidlichen Kirchturm hin und hängten zwei Glocken darein, die gaben ein zartes Geläute, die