Der Bauernkalender
Doktor Ebenich trat in die geräumige Bauernstube und klopfte den weichen Lenzschnee von den Ärmeln seines Pelzmantels herunter. Er zog einen altväterlichen Lehnstuhl an den Tisch heran und ließ sich nieder, um das mitgebrachte Schreibzeug instand zu setzen. Während dies geschah, waren Nachbarsleute und ein ansehnlicher Bruchteil des Hofgesindes in den überheizten Raum hereingeflutet, alle von brennender Neugierde erfüllt, zu erfahren, was nun vor sich gehen solle. So war um Blasius Rübenspeck, den Hofbauernsohn herum, ohne daß er es gesucht hatte, ein niedlicher Volksauflauf entstanden, als er sich gemächlich auf der Ofenbank emporrichtete und den Doktor mit fragenden Blicken musterte. »Ihr habt wohl keine Ahnung, Blasius, weshalb ich gekommen bin?« unterbrach der Arzt das erwartungsvolle Staunen des Bauernsohnes. »Er wird sonst im Dorf herum nit viel zu tun haben,« klang es in mürrischem Tone von der Ofenbank herüber. »Da denkt Er wohl: Dem Hofbauer Rübenspeck, dem macht man heute so zwischen Tag und Dunkel noch schnell einen Besuch, der kann zahlen, der hat das Geld darnach.« »Nicht ganz das Richtige getroffen, Bläsi,« entgegnete Ebenich höflicher, als er angeredet worden war. »Erinnert Ihr Euch etwa daran, daß Ihr im vorigen Sommer an einem noch zu ermittelnden Datum das Bein verrenkt hattet?« »Sell schon.« »Und daß Ihr für den Euch aus diesem Unfall erwachsenen Schaden von