Erstes Kapitel
Das Tal, das sich so reizvoll zwischen Wald und Fels hindurchwindet mit seinen fetten Wiesen, von der quellklaren Leitzach durchströmt, seinen stattlichen Gehöften, stößt bei einer plötzlichen Biegung, vom Wanderer ganz unerwartet, auf starr aufstrebendes Gewänd. Dicht darunter liegt das Grenzdorf Zell in behäbiger, selbstbewußter Einsamkeit. Als ob sich hier alle Vorzüge und Schwächen des bayerischen Stammes aufgestaut, gerade so. Wohlgepflügtes Land, aus dem unvermittelt das graue Gestein sich erhebt, schmucke, behäbige Höfe, zähe Seßhaftigkeit verratend mit ihren trutzigen Steinmauern, welche den Besitz umgeben, etwas Feindliches, auf sich selbst Gestelltes im Ansehen. Die Männer derb und knochig, mit scharf geschnittenen Köpfen, wie sie nur Jahrhunderte hindurch geübte Freiheit bildet, aber in den Augen etwas Verschmitztes, Mißtrauisches, nicht nur dem Fremden, sondern auch dem Talgenossen gegenüber, das einsamen Menschen oft zu eigen. Das weibliche Geschlecht sichtlich zurück gegen das männliche, ganz im Banne der Kirche, die ihren grünen Spitzturm über alle Gehöfte erhebt, während das goldene Andreaskreuz weithin leuchtend sich von den weißen Wänden abhebt, in die es hinein ragt. Das Vieh schwer und massig, von jenem zarten Chamois mit weiß, das der Stolz des Bauern ist, der lieber auf ein paar Liter Milch verzichtet, als von der modischen Farbe abgeht. Die Kinder sauber,