Baron Tissanders Schaukel
1. Kapitel. Die Kartoffel. Acht Tage kreuzten wir damals ziel- und zwecklos im Indischen Ozean … Damals … Und das war nach jener Nacht, als Ethel Boeter, die Malerin, sich im Castello Santa Virgo vergiftet hatte … — Schwere Zeit für mich als Freund Harald Harsts. Um so schwerer, als eigentlich kein Anlaß vorlag, ihn zu trösten: höchstens der, ihn abzulenken. Denn — er hatte diese klassische Schönheit, dieses Weib mit der krankhaften verbrecherischen Phantasie, ja kaum gekannt … Sollte ihm ihr Tod wirklich so nahe gegangen sein, sollte das große Rätsel Menschenherz ihm einen so argen Streich gespielt haben?! Genug: er sprach nie mehr über das uralte portugiesische Kastell dort auf der Insel Sokotra und erst recht nicht über Ethel. Er saß zumeist im Liegestuhl auf dem Achterdeck und kümmerte sich um nichts. John Trolby, der alte Seebär, und ich und die beiden malaiischen Matrosen Atiru und Sikiri mußten zusehen, wie wir uns die Zeit vertrieben. Sobald ein Dampfer am Horizont auftauchte, sobald ein Segel sichtbar wurde, befahl Harald stets, sofort entgegengesetzten Kurs zu steuern. Er wollte eben niemand sehen — nichts als diese Wasserwüste ringsum und den Himmel und uns, die er nicht unsichtbar machten konnte. Als so eine Woche dahinging, sagte der kleine Nußknacker Trolby am Morgen des neunten Tages zu mir: »Gott sei Dank — diese verrückte Gondelei muß jetzt ein Ende haben.