Kapitel 1
Es war Abend, und der Barbier Zitterlein saß an seinem Tisch. Eine helle Lampe brannte auf demselben und beleuchtete das Gesicht des langen, dünnen Mannes, der sich um das Abendbrot, welches seine Tochter Agathe auftrug, wenig bekümmerte. Die Tochter setzte sich an den Tisch und klimperte, um den Vater aus seinen Gedanken zu wecken, mit den zinnernen Löffeln; endlich sagte sie leise: »Vater, wollt Ihr nicht essen?« »Jawohl,« antwortete Zitterlein und rückte näher zum Tische. »Eine Biersuppe? ach, du liebes, treues Kind!« Beide fingen an zu essen. Zitterlein fiel in sein vorheriges Stillschweigen zurück und aß nur wenig; Agathe sah ihn zuweilen mitleidig an, bald legte auch sie den Löffel nieder und begann, den Tisch abzuräumen. »Bist du schon satt, Agathe?« fragte der Vater und heftete einen glühenden Blick auf sie. »Ihr wißt, ich esse zur Nacht nicht viel,« antwortete Agathe, »aber Ihr, Vater, Ihr solltet die schöne, kräftige Suppe nicht so verschmäht haben, denn Ihr eßt sie gern, und sie tut Euch wohl.« »Du hast recht, mein Kind, und ich sollte es um so weniger getan haben, als dies der letzte Abend ist, wo wir so recht innig beisammen sind!« »Der letzte Abend?« fragte Agathe und sah ihren Vater erstaunt an. »Freilich der letzte,« – antwortete dieser – »du weißt, morgen hole ich den Gesellen, und dann ist das vorbei!« »Mein Gott, Vater, ich versteh' Euch nicht. Ich meine, der