Notstände.
Die große Revolution von 1789 war eine ebenso naturgemäße Erscheinung, wie jeder luftreinigende, verwüstende Wettersturm. Ungesund bis zur Fäulnis war die soziale Atmosphäre Europas, in Frankreich der religiöse Unglaube Mode, die sittliche Entartung fast allgemein. Am 5. Mai 1789 traten die Stände, von vier Millionen französischer Bürger gewählt, im Schlosse von Versailles zusammen. Die Aufregung war ungeheuer. Brennend vor Erwartung blickten die Franzosen nach Versailles, Erlösung hoffend aus unerträglichen Lasten, und die Rettung des einstürzenden Reiches. Flugschriften, Zeitungen, Broschüren überschwemmten die Provinzen. In grellen Farben schilderten sie das Elend des unterjochten Volkes, die Tyrannei des Königtums und der Feudalherren. Schon fuhren einzelne Windstöße über das Land, die Vorboten eines Umsturzes, wie ihn die Weltgeschichte blutiger und schauervoller kaum zu verzeichnen hat. In Zeiten heftiger Gärung erscheint auch das Gewöhnliche und Hergebrachte in verändertem Lichte. Lebhafter empfindet man den Druck. Gesetzliche Gewalttaten werden kühn verurteilt. Zorn entflammt die Gemüter über Regierungsformen, welche die allgemeine Notlage des öffentlichen Wesens verschulden. Seit den Eroberungskriegen Ludwigs XIV. fraß der Militarismus am Marke des Reiches. Hiezu kamen die unsinnigen Verschwendungen Ludwigs XV., die Bedürfnisse eines üppigen, lasterhaften Hofes und die