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Das Kinderleben in Narva

Wenn wir an unsere Kinderzeit denken, wird es wohl den meisten von uns scheinen, als wäre diese Zeit von besonderem Licht umstrahlt, als hätte die Sonne damals heller geschienen, als hätten die Blumen reicher geblüht und als wäre das Leben sorgenloser und weniger lastend gewesen als später. So geht es auch mir. Aber es ist nicht nur die Sorglosigkeit eines liebevoll behüteten Kinderlebens, was mir im Zurückschauen diese Jahre so licht erscheinen läßt, es war auch das Leben damals in den Ostseeprovinzen auf breiter Basis und sorglosem Behagen aufgebaut. Man hatte sein gutes Auskommen, arbeitete nicht zu viel und hatte immer noch Zeit für fröhliche Geselligkeit, für Pflege von Kunst und Literatur. Die weit im Lande verzweigten Familien hielten fest zusammen, Freundschaften wurden durch Generationen gepflegt, in den Ferien waren alle Gutshäuser und Pastorate für Gäste weit geöffnet. Das Leben hatte eine Leichtigkeit und Freudigkeit, die mehr oder weniger allen unseren Häusern ein besonderes Gepräge gab. Die Zeit ist längst vorüber, die Städte sind verarmt, die schönen Güter und Pastorate, in denen im Sommer so viel fröhliches Leben herrschte, sind zum Teil zerstört oder ihren früheren Besitzern genommen. Die Familien, die so fest aneinanderhielten, sind durch die Welt verstreut; einzelne versuchen noch, sich auf einem kleineren Teil ihres früheren Besitzes ihr bescheidenes Leben

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