Chapter

Kapitel 1

Die Burgsau ist ein lachendes Hochthal, im länglichen Kreise von majestätischen Bergkolossen eingeschlossen. Da, wo das Thal allein einem Fuhrwerke zugänglich ist, an einem steilen Hohlwege liegt der Markt gleichen Namens. Der kleine, allem Weltverkehr entlegene Ort besteht aus lauter hölzernen Häusern, von welchen sich die vornehmsten entweder nur durch die geringere Baufälligleit oder eine größere Fülle primitiver Ornamentik und mehr hingekleckster, als gemalter Heiligenbilder auszeichnen. Seitwärts auf einer Anhöhe, in der Gestalt einer abgestumpften Pyramide, erhebt sich eine alterthümliche, graue Mauermasse, einer Citadelle vergleichbar und groß genug, um dem ihr zu Füßen liegenden Orte ein solideres Material zum vollständigen Umbaue zu liefern. Es ist das fürstliche Schloß, ein Ueberbleibsel aus der Feudalzeit, welchem von seiner ehemaligen Herrlichkeit nichts übrig geblieben ist, als der Besitz der Patrimonial-Gerichtsbarkeit, und selbst diese war zur Zeit, da die nachfolgende Geschichte gespielt, ihrem Verscheiden schon sehr nahe. Der Fürst, kein Freund eines idyllischen Gebirgsaufenthaltes, hatte, obgleich er schon seit dreißig Jahren Majoratsherr war, seine schöne Herrschaft Burgsau noch nie betreten und auch nur selten seinen übrigen Schlössern die Ehre seines Besuches erzeigt, da er sich nur in dem Luxus der Weltstädte behaglich fühlte. Sein Hofrath, Herr von

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