Chapter

Ein Kreislauf

Ein Kreislauf Der Minettebrocken dachte nach. Wie lange war er nun schon auf der Welt? Ei, das war schon eine hübsche Weile. Weit liefen seine Gedanken zurück, unheimlich weit. Die Dinge, die die toten heißen, haben ein langes Gedächtnis. Viel länger als die Menschen. Wie eine Gerte schwankt das menschliche Gedächtnis zwischen Grab und Wiege. Eine kleine Strecke Weges, ein Tasten zwischen dunklen Gängen. Eben ward's ein bißchen heller – da ist es schon zu Ende. Nicht so bei Dingen. Nicht so bei dem Minettebrocken auf dem Erzfeld. Der bestrich mit seinem Gedächtnis die versunkenen Jahrtausende wie wir die Stunden. Er hatte Zeit da droben. Überhaupt, was war denn Zeit? Ein Blinzeln seiner schweren Augenlider – und schon hatte drunten in dem Tal ein Menschenleben seinen kurzen Zirkel fast vollendet. Ein zweites Blinzeln – und schon sank sein Kind ins Grab. Der Minette Denken tropfte in die Vergangenheit. Und jedesmal, wenn ein Jahrtausend abgerollt war, gab es einen Klang, wie wenn geschmolzene Eisentropfen in das Wasser zischen. »Wie ist mir denn?« sagte er, »ich lag doch damals an die tausend Meter höher. Wie rasch doch diese Berge schmelzen. Wie lange wird es dauern, und die Erde ist ein Tisch, ein flacher Tisch.« Weiter lief sein Denken ins Vergangene. Meere ebbten auf und nieder. »Ja, ja«, sagte der Eisenstein langsam, und zwischen jedem seiner Worte ward ein junger

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