Rückblick
Mit verdoppelter Eile rauscht die Zeit im Alter an uns vorüber, Tage werden zu Wochen, zu Monaten, zu Jahren, ehe wir uns dessen versehen, während in der Kindheit die zwischen zwei Sonntagen liegenden Wochentage, die wir sehnsuchtsvoll zählen, sich uns zu einer kleinen Ewigkeit ausdehnen, bis endlich der erwünschte Freudentag wieder herankommt, an welchem wir geputzt und schulfrei uns in kindischem Wohlleben festlich ergötzen dürfen. Aber auch in anderer Hinsicht verdoppelt im Alter sich uns das Leben; auf eine Weise, die gewissermaßen für den Verlust uns entschädigt, den wir durch die größere Eile, mit der die Zeit uns fortreißt, scheinbar erleiden; denn das längst Vergangene wird beim leichtesten Anlaß in Erinnerungen uns wieder wach, deren lebensreiche und mannichfaltige Gebilde die langweilige Oede der Gegenwart uns freundlich verhüllen. Dieses fühlte ich recht lebhaft, als ich beim Antritt dieser Reise, von Weimar aus, in Erfurt einfuhr und auf dem holprigen Steinpflaster der schönsten und breitesten Straße dieser großen Stadt mich langsam hinschleppen lassen mußte. Was ich um mich her erblickte, eignete sich eben nicht dazu, mir das kleinste Interesse abzugewinnen; einige Bauerwagen, hin und wieder ein Paar Soldaten, Dienstmädchen, Bettler, bedächtigen Schrittes ihren Geschäften nachgehende Bürger, die vereinzelt in der sehr breiten Straße, der Anger genannt, sich dem