Chapter

Einleitung

Rankes Sehnsucht war nach seinem eigenen Bekenntnis, »die Mär der Weltgeschichte aufzufinden, jenen Gang der Begebenheiten und Entwicklungen unseres Geschlechtes, der als ihr eigentlicher Inhalt, als ihre Mitte und ihr Wesen anzusehen ist; alle die Taten und Leiden dieses wilden, heftigen, gewaltsamen, guten, edlen, ruhigen, dieses befleckten und reinen Geschöpfes, das wir selber sind, in ihrem Entstehen und in ihrer Gestalt zu begreifen und festzuhalten.« In diesem allumfassenden Streben hat er seine Werke geschrieben; nie hat er in der Betrachtung des Einzelnen, mochte es eine Persönlichkeit, ein Staat, ein Volk oder eine Epoche sein, den Blick auf den großen Zusammenhang der Dinge verloren, sondern stets das Besondere mit dem Allgemeinen innerlich verbunden. Träger der universalen Entwicklung, jener »Mär der Weltgeschichte«, sind ihm die Nationen, insbesondere die eine geistige Einheit bildenden romanisch-germanischen Völker. Verschieden in ihrem Wesenskern haben sie doch den großen geistigen Besitz der Antike und des Christentums gemeinsam; jedes ergreift ihn in eigentümlicher Weise nach seiner gottgegebenen Kraft, und in unaufhörlichen friedlichen und kriegerischen Wechselwirkungen stehen sie bald gebend bald empfangend in unauflöslicher Verbindung. Die Entfaltung der einzelnen Nationen in besonderen Darstellungen wie den großen Zusammenhang in einer Weltgeschichte zu

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