I. Bilder aus dem Kinderleben
O wär' ich nur ein wenig allmächtig und unendlich – dachte Walt – ich wollte mir ein besonderes Weltkügelchen schaffen und es unter die mildeste Sonne hängen, ein Weltchen, worauf ich nichts setzte, als lauter dergleichen liebe Kinderlein, und die niedlichen Dinger ließ ich gar nicht wachsen, sondern ewig spielen. Jean Paul Die Mutter hat das Kind vor sich im Schooße, lächelt und nickt ihm zu. »Wie alt ist der Kleine?« »Mittwoch ein Vierteljahr.« Also Mittwoch! Der Vater des Kindes würde vielleicht gesagt haben: »ein Vierteljahr« oder »bald – nächstens ein Vierteljahr.« Im Munde der Mutter wäre das ein unerklärlicher Mangel an Genauigkeit. Die Mutter lächelt und nickt. »Es ist doch ein einziger Junge!« Die Wärme dieser richtigen, obwol durch Neuheit nicht überraschenden Bemerkung könnte zu der Annahme verleiten, es sei der Mutter einziges Kind im streng arithmetischen Sinne. Dieser Schluß wäre doch voreilig. Die angewandte Mathematik der Mutterliebe hat ihre eigene Art zu rechnen: je mehr Kinder schon da sind, um so gewisser wird jedes neu hinzukommende das »einzig einzige«. Die anderen sind ja auch alle reizende Kinder, aber dies ist »ein zu reizender Junge!« Die Mutter lächelt und nickt, und war es erst das sanfte stille Lächeln, das sich ganz in den Anblick des Kindes versenkt, so ist es jetzt ein gar heiteres Nicken und Kopfschütteln zugleich; sie neigt sich immer mehr vor