Chapter

Ägypten

(1898) Als ich am 21. Februar 1898 nach Kairo kam, stand ich wie berauscht von diesem fremdartigen, bunten Wesen, das ringsher wie mit rauschenden Wogen auf mich einstürmte. Welche Freude aber war es, langsam im Lauf der Tage dieser Bilder Herr zu werden, sie in ihrem Sinn und Gegensatz zu empfinden und zu verstehen. Doch sie beschreiben? Ich glaube, Kairo spottet der Beschreibung eines flüchtigen Besuchers, auch ist diesmal anderes meine Absicht, und so sei's hier mit einigen seiner Züge genug. Zwischen Wüste und Wüste; im Osten steigt der gelbbraune, kahle, zerklüftete Mokattam, im Westen die Pyramiden feierlich darüber empor; ein schmaler grüner Streifen legt sich von diesen herab an die Linke des Nil, von seiner Rechten bis an den Fuß jenes breitet sich die märchenhafte Stadt. Dort aus Westen blickt der Friedhof Altägyptens, zugleich der größte der Erde, mit seinen grauen Riesendreiecken, um die abends die Sonne ihren goldenen Mantel wirft, über das fadendünne Fruchtland zu ihr her, im Osten schmiegt sich von ihren letzten Gassen zum rötlich erglimmenden Mokattam hin die Stadt der kühn und zierlich gekuppelten Kalifen- und Mamlukengräber mit ihrer Heerschar von tausend und abertausend einförmigen Steingräbern der Moslim, im ewigen Kampfe mit dem verwehenden Wüstensande wie drüben die älteren Male. Gleich einer Fürstin hebt hoch von der Zitadelle über das graue Häusermeer

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