Chapter

Beim Dorschangeln

An einem stillen Sommerabend im Monat Juni lag eine kleine geteerte Jolle auf der Flensburger Förde und trieb mit dem Strom gemächlich seewärts. Zwei Jungen saßen in der Jolle und pilkten Dorsche. Der, der vorn am Steven saß, war ein kräftiger, fünfzehnjähriger Bursche, mit einem gesunden, sommersprossigen, sonnverbrannten Gesicht und struppigem, rotem Haar, das in einem dicken Schopf unter der vertragenen Seemannsmütze hervorquoll und ebenso zerzaust aussah, wie die Mähne eines kleinen Ponys. Peter Most, denn er war es, schien von dem Begriff »Frisur« keine klare Vorstellung zu haben, denn er pflegte mit seinen großen, sonnverbrannten Händen in dem roten Haar herumzuwühlen, so daß es ihm wie eine Glorie um den Kopf stand. Peter Most war alles andere als eine gepflegte Erscheinung. Sein blaugestreiftes Baumwollhemd war alt und gestopft, und die dicken, graumelierten Beiderwandhosen hatten auf jedem Knie einen Flicken von höchst verschiedener Farbe. Hemd und Hose waren übrigens seine einzige Bekleidung, die Mütze nicht zu vergessen. Peter Most aber besaß etwas, um was mancher feingekleidete Junge ihn beneiden konnte: Gesundheit und Kraft und eine unzerstörbare gute Laune, die ihm aus seinen treuherzigen, blauen Augen leuchtete, sich wie ein breites, gutmütiges Lächeln um seinen großen, roten Mund legte und zwei Reihen starker Zähne zeigte, die vom Hineinbeißen in das grobe

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