Uf Karlsruh!
»Uf Karlsruh!« lautete das Losungswort im ganzen badischen Ober- und Unterland, und da war kein Männlein und Weiblein, weder alt noch jung, das nicht den Kopf darüber verloren hätte. Die Truhen wurden geöffnet, der alte Staat kam zum Vorschein – nun galt's, ihn auszubessern zur Hochzeit des Erbprinzen, denn alles war geladen zum Freudentag, und nur in einer kleinen Ortschaft im Hanauerland, da gab's Thränen. Der Bürgermeister, ein kräftiger, stattlicher Mann mit selbstbewußtem Gesichtsausdruck, schlug schon zum zweitenmal derb auf den Tisch mit der Erklärung: »Un du schlagsch dir der Hansjörri us em Kopf oder du bliebsch d'heim, des sag' ich dir, Annemei!« Das Mädchen legte die Arme über die Stuhllehne, schluchzte bitterlich und meinte nach kurzer Ueberlegung: »Do muß ich halt d'heim bliebe.« »Mann,« sagte die Bäuerin, die mit verwickeltem Kopf auf der Ofenbank saß, »du bisch doch ä Mann!« »Des bin ich,« kreischte der Bürgermeister, »dafor hab' ich net g'spart, daß mer do einer von dem dickköpfige Adlerwirt sine fünf Bube kummt und in mein 2 Hus sitzt und hät nix uf der Welt als ä saubres G'sicht! Do sag ich vielmol merci!« »Etzt, Buer,« fiel ihm eine kleine dicke Frau in's Wort, welche die ganze Zeit über neben der Bäuerin gesessen und ungeduldig die Daumen um einander gedreht hatte, »Buer, so hän doch ä Einsehe, isch etzt net im ganze Land ä Fraid, wo mer hinschaut, un Ihr