Erstes Kapitel
Eine halbe Meile östlich von dem kleinen Bauerndorf, in dem ich die Tage meines Alters in Ruhe mit mir selbst und mit der Welt verlebe, liegt ein eigentümlicher See, den ich in diesen Erinnerungen nicht unerwähnt lassen kann, denn an ihn knüpfen sich die Ereignisse in meinem Leben, die für mein Schicksal entscheidend wurden. Der See hat seinen Namen von der Gemeinde, die sein westliches Ende umschließt, und wird der Balderöder See genannt. Der emeritierte Propst Hjort von Starup und Lihme, der ein Freund der Natur und obendrein ein wahrhaft poetisches Gemüt in der guten altmodischen Bedeutung des Wortes war, hatte immer etwas auszusetzen an diesem gewöhnlichen Namen, der auch nur schlecht zu dem unbeschreiblichen Liebreiz des Sees paßt. In Erinnerung an einige alte Sagen und Erzählungen, die von der Überlieferung an seine Ufer verlegt worden sind, nannte er ihn den »Nymphensee« oder »Die Nymphenbadekammer«. Aber darauf werde ich noch später in dieser Beschreibung zurückkommen. Der See hat eine rundliche, ziemlich regelmäßige Form und eine recht beträchtliche Ausdehnung. Wenn man ihn trotzdem nicht sehen kann, ehe man ganz nahe an ihn herangekommen ist, so hat das seinen Grund darin, daß er tief unten zwischen hohen Hügeln liegt und von großen Wäldern umgeben ist, die ihn gleichsam eifersüchtig vor der Umwelt verbergen. Gar manches Mal, wenn ich in Gedanken versunken dort