Die drei alten Fräulein
Das kleine Strohdachhaus, darin die drei alten Fräulein wohnten, lag dunkel, mit morschen Mauern, tief im verwilderten Garten. Von der Straße her führte, moosbedeckt, ein Pfad an einer zerfallenen Brunnenfigur vorbei zur Haustür, über der das Strohdach hing, wie eine wulstige, schwarzgrün verfilzte Augenbraue. Riesenhafte Ulmen und weißstämmige Birken, Holunderbüsche, Jasmin und Syringen, mannshohes Unkraut in wuchernden Umarmungen bildeten unentwirrbare Wildnis, die nachts, wenn Mondlicht wie Perlenregen durch die Wipfel floß, dem Traumbild verzauberten Urwaldes glich. Manchmal sah man die drei Fräulein den Pfad auf und ab gehen, Arm in Arm, ganz eng beieinander, so daß sie eben Platz hatten. Das zarte, schmächtige Fräulein Ansa mit dünnem grauen Haar, in dem ein letzter Rest von rötlichem Blond seltsam schimmern konnte, rechts Fräulein Sidonie, lang und eckig, mit spitzen Hüften und schmalem, scharf geschnittenem Vogelkopf auf dünnem Hals, und links Fräulein Ute, klein, rundlich, mit tief in die Schultern gewachsenem Kopf. So gingen sie des Mittags und des Abends nach dem Essen dreimal den schmalen Pfad auf und nieder, gleichviel, welches Wetter es war. Wenn es regnete, trug das schmächtige Fräulein Ansa einen großen grauen Schirm, und das hagere Fräulein Sidonie mußte den Oberkörper schief halten und den Kopf neigen, wenn sie nicht naß werden wollte. Drinnen war alles sauber