Aus Familienpapieren
Für die Meisten meiner jungen Leserinnen dürfte es von Interesse sein, zu erfahren, daß das merkwürdige Schicksal, das dieser Erzählung zu Grunde liegt, der Wahrheit entnommen und in den Annalen der von mir erwähnten Militär-Akademie noch heute in einer Autobiographie zu lesen ist. Da die Dame noch vor Kurzem als geachtete Gattin und Mutter in einer der bedeutendsten Städte Italiens lebte, so veränderte ich Zeit und Namen aus leicht begreiflichen Rücksichten. Die nächste Station, Madame, ist die Ihrige!« Diese Worte, von der Stentorstimme des Conducteurs am Waggonfenster gesprochen, rissen mich rasch aus dem unbehaglichen Halbschlummer, in den mich die Ermüdung der langen Reise geworfen. – Die jetzige Art zu reisen ist für Reise-Dilettanten, wie ich bin, immer mit Aufregung verbunden. Man kommt an, freut sich eines langersehnten Wiedersehens, darf sich aber ja nicht dieser Freude des ersten Augenblickes überlassen, denn der Zug hält nur fünf Minuten und braust mit unerbittlicher Schnelligkeit davon, ehe man gehörig für sein Gepäck gesorgt hat. Und vollends Abreisen! Die verschiedenen Scheidegrüße, Küsse und Händedrücke und letzten Aufträge, wie werden sie abgekürzt und in Hast gegeben, denn der Zug rast von dannen zur bestimmten Minute. Zu jetziger Zeit des allgemeinen Freiheittaumels begiebt sich der Mensch, wenn er auf Reisen geht, jeder Freiheit; von dem Augenblick, in