Chapter

Aus eigener Kraft

Sechs Jahre waren verstrichen seit den schwülen Tagen, in denen die giftige Frucht unnatürlicher Verhältnisse zur Reife gediehen. Die Luft war wieder rein, die giftige Frucht abgefallen, um der Blüthe einer natürlichen Entwicklung Platz zu machen. Der Candidat hatte Zürich verlassen. Er war zu wenigen Wochen Gefängniß verurtheilt worden und als er aus seiner Haft in das Salten’sche Haus zurückgekehrt war, da zeigte es sich erst, daß sein Verhältniß zu Adelheid entweder eine Trennung oder eine Verbindung nothwendig machte. Der Bann, der sie bisher in ihren Grenzen gehalten, war ja mit dem Tode des Freiherrn gebrochen. Adelheid war frei, Beide liebten sich mit ungeschwächter Gluth und doch wiesen sie den Gedanken an eine Verbindung in richtiger sittlicher Erkenntniß von sich; sie waren sich verloren, ohne für einander erkalten zu können, jeder Tag, jede Stunde des Beisammenseins nährte in den Beiden eine Qual, die sie aufreiben mußte. Alfred hatte sehr bald mit feinem Instinct herausgefunden, daß Feldheim litt und daß er nur um seinetwillen in Zürich aushielt. Er erklärte es sich aus dem Kummer um all’ das Unwürdige, das er erduldet, und fühlte, daß der edle Mensch unter diesen Verhältnissen zu Grunde gehen mußte. Da machte er der Pein selbst ein Ende. „Herr Feldheim,“ sagte er eines Tages, „gehen Sie auf meine Güter und werden Sie dort mein Stellvertreter. Mir sind jetzt viele

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