Das Lotterieloos
Eines Sommermorgens um die neunte Stunde öffnete sich das Fenster eines kleinen Hauses in Angern, und ein junges Weib steckte den Kopf heraus, um an dem Schatten der Sonnenuhr die Höhe der Tageszeit zu prüfen. »Gleich neun«, sagte sie ruhig vor sich hin und wollte den Kopf wieder zurückziehen, als ihr ein scharfer Sonnenstrahl auf die Nase fiel und sie zum Nießen reizte. »Helf Gott«, sagte sie selber und nickte sich Dank zu, indem sie das Fenster wieder schloss – »So was hat mir gefehlt, das frischt doch immer ordentlich auf!« Es dauerte nicht lange, so öffnete sich die Türe des kleinen Hauses, und Hanne Linder (so hieß das junge Weib) trat auf die Schwelle. Schon ein paar Male hatte ihr geschienen, als höre sie eine dumpfen Lärm in der Ferne, und sie horchte daher mit angehaltenem Atem nach dem Dorfe hin. »Ich muss noch was Neues erfahren, und zwar was Gutes«, sagte sie, »die Nase lässt nicht vom Jucken, und das rechte Ohr tut ärger als die Gemeindeschelle!« Sie hatte diese Worte kaum gesprochen, als der Lärm viel stärker als früher hörbar wurde und Hannes ältester Knabe eilig daher kam, schon von Weitem rufend. »Mutter, o Mutter!« »Was gibt es?« fragte die Linder. »Der Vater, der Vater«, stotterte der Knabe. »Was ist's mit ihm, kommt er?« »Ja recht, kommen! Fort ist er – pfutsch mit ihm«, sagte der Knabe und machte ein bedenkliches Zeichen vor die Stirn. »Dummer Bub, du