Chapter

I. Lang vorher

»Sieh Christian, den Reichen wälzt der Tod den ersten Stein auf die Brust, und die Armen befreit er vom letzten! Darum liegen über den Gebeinen der Schloßherren Marmorblöcke, während auf dem Grabhügel deines kleinen Bruders Feldblumen und Grashalme nicken. Das ist Gottes endliche Gerechtigkeit! So wird sie oft von den Menschen versinnlicht, ohne daß sie wissen, was sie thun!« Die Welt des Friedhofs ist wie die Welt der Geschichte. Die Geschichte ist die Sterbehymne der Zeiten, sie ist der Friedhof der Nationen und ihr Totenregister. Auf den Denkmälern lügenhafte Inschriften neben wahren, morsche Kreuze, dort und da eine bleiche Rose oder eine gelbe Ringelblume, verdistelte und niedergetretne Gräber, von denen niemand weiß, wen sie einschließen, – das sind die Friedhöfe, das ist die Geschichte. Anhänglichkeit und Schwärmerei, Bosheit und Parteihaß schreiben die Epitaphen; der Wahn pflanzt Kreuze, die Liebe Blumen; Undankbarkeit, Feigheit und Stumpfsinn lassen die Gräber der Besten wie der Gleichgültigen von Disteln, Schierling und Nesseln überwuchern, und die Prozessionen des Aberglaubens, die Gemeinheit, die Brutalität elender Majoritäten treten die Hügel platt. – Jenseits des gewöhnlichen Totengartens, jenseits der Mauer, die auch noch im Tode die Gesellschaft umspannt, – in der Erde, die erst durch ihre Asche eine geweihte wird, ruhen Verbrecher und große Menschen. Oft beides

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