Aus den Irrfahrten eines Prager Studenten
Die Hörsäle waren nicht geschlossen, auch waren die Professoren der berühmten Hochschule von Prag noch im besten Zug, ihren Hörern alle Reiche des Wissens zu erschließen, aber der junge Zdenko kümmerte sich nicht darum, nahm seine treue Geige von dem Nagel, an welchen er die sibyllinischen Bücher seines Fachstudiums dafür hing, ersparte seinem Wirth den Schmerz der Abschiedsstunde, und fiedelte sein Scheideliedchen nicht eher, als bis er sicher war, nicht mehr vernommen zu werden, draußen unter Gottes blauem Himmel, auf des Kaisers staubigem Heerweg. Auf der Höhe des Berges kehrte er sich noch einmal um, übersah blinzelnd mit den grauen Katzenaugen, die verwaiste Königsstadt, strich die braunen Locken aus der Stirn, und rief laut: »behüte dich Gott, mein gutes stilles Prag, lebe wohl du altes Nest mit deinen öden Gassen und Gäßchen, in denen es mehr Häuser als Juden, mehr Juden als Menschen und mehr Fenster als Scheiben gibt. Wie lächelst du mich im Sonnenschein so traulich an, grauer Thurm, als wolltest du mich wieder in deine Schatten locken! Ach mein Guter, wie danke ich dir von Herzen für die Mußestunden, in denen du mir vergönntest, alle die Zauber zu erkunden, welche in diesem besaiteten Holzkästlein, meiner geliebten Geige, verborgen ruhen, aber ich schwöre dir, daß ich von deinen Töchtern, Einsamkeit und Langeweile, genug gelernt habe, um mich durch die Welt zu bringen