Die Bärenmühle
Eine historische Erzählung aus den letzten Jahren des siebzehnten Jahrhunderts. Von Eduard Gottwald. Die Segnungen eines vierzigjährigen ungetrübten Friedens hatten die unzähligen Brandwunden der Verwüstung geheilt, welche die Schreckensjahre des dreißigjährigen Krieges über Sachsen gebracht. – Neu erstanden aus Trümmer und Asche waren die von den östreichischen und schwedischen Kriegsvölkern im Vertilgungskampfe niedergebrannten Städte und Dörfer, und schon längst wieder führte der Landmann von den mit Blut getränkten und Jahre lang wüste gelegenen Feldern die goldnen Früchte der Ernte in die neu und geräumiger erbauten Scheuern. Ueberall, wo Elend und Verzweiflung an wild zerstörter Stätte gejammert, da hatte frischer Lebensmuth und gläubiges Vertrauen auf bessere Tage wieder Platz genommen, und selbst in jenen Gegenden, über welche der Krieg seine Flammengeißel am schonungslosesten geschwungen, war nichts mehr zu finden von Brandstätten und Schutthaufen, wie sie die Kugeln und Pechkränze der Papisten und Lutheraner hinterlassen, oder wie sie die beute- und mordsüchtige Faust der wilden Nachzüglerrotten in die von den Kämpfen der feindlichen Heere verschont geliebenen Wohnungen der unglücklichen Bewohner geworfen. Zu jenen am Härtesten geprüften Gegenden, in welche noch lange nach Beendigung des dreißigjährigen Krieges die versprengten Haufen der Marodeure in Räuberbanden